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Brandnormen

BS 5852
California 117
DIN 4102 B1+B1
DIN EN 1021

 

MVSS 302

Konkrete Anforderungen an das Brandverhalten von Werkstoffen und Teilen im Innenraum von Personenkraftwagen, Lastwagen und Omnibussen wurden in den USA erarbeitet und als MVSS 302 im Jahre 1972 in Kraft gesetzt.
Hierbei wird geprüft:
Probekörper : Fünf Proben 356 x 100 x Anwendungsdicke, jedoch max 12,7 mm, eßmarken 38 mm, 76 mm, 292 mm, Meßstrecke 254 mm
Probeanordung: Horizontal
Zündquelle: Bunsenbrenner 9 mm Durchmesser, Flammhöhe 38 mm, Kantenbeflammung 15 sec.
Beurteilung: Flammausbreitungsgeschwindigkeit über Meßstrecke, maximal zulässige Flammausbreitungsgeschwindigkeit 4 inch/min. (101,6 mm/min.)
Die höchstzulässige Flammausbreitungsgeschwindigkeit für prüfpflichte Innenraumteile beträgt in Deutschland gemäß § 30 StVZO 110 mm/min.
Die MVSS 302 wurde von deutschen Kfz-Herstellern verschiedentlich abgeändert, insbesondere durch die OPEL-Norm 261 (max. Brennrate 75 mm/min.) bzw. TL-VW 1010 (Meßmarken 38,88,292 mm).

BS 5852 Part 2 crib 5 für CMHR+CM-Schaumstoffe

1980 wurden in Britischen Parlament Sicherheitsverordnungen betr. Polstermöbel angenommen und bis 1982 die Prüfmethoden BS 5852/1/2 vorgelegt. Etwa gleichzeitig wurde angeordnet, alle zum Verkauf stehenden Polstermöbel mit einem Etikett zu versehen, das den Kunden über das Brandrisiko des Möbelstücks orientiert.
Polsterkombinationen werden seitdem auf ihr Brandverhalten untersucht, wobei unterschiedliche Zündquellen wie Zigaretten (Raucher-Risiko), Gasflammen (Zündholz-Risiko) und genormte Körper aus Holzstäbchen (Risiko größerer Zündquellen) verwendet werden. Aus den Ergebnissen an Kombinationen mehr oder weniger brennbarer Bezugs- und Füllmaterialien ist ein Bewertungssystem entwickelt worden, in welches das vom Hersteller angebotene Möbelstück eingestuft wird.
Unter dem Druck der öffentlichen Meinung hat das Britische Parlament überraschend im Mai 1988 beschlossen, konventionelle PU-Schaumstoffe als Möbel/Matratzen-Füllung ab 01.03.1989 zu verbieten. Ein entsprechendes Verbot für brennbare Bezugsmaterialien ist inzwischen ebenfalls erlassen.
Um den PU-Schaum-Herstellern eine praktikable Prüfmethode anhand zu geben, hat man bestehende Verfahren modifiziert und den Begriff des CMHR (Combustion Modified High Resilient) Schaumes geschaffen, der nach dem 01.03.1989 anstelle des konventionellen PU-Schaumes eingesetzt werden darf. Als charakterisches Brannverhalten dieses Schaumtyps sieht man die Erfüllung nachstehenden Test an:
Auf einem genormten Metallgestell werden zwei Schaumstoff-Kissen 300 x 450 x 75 mm (Sitzteil) und 450 x 450 x 75 mm (Rückenteil) rechtwinklig zueinander als "Sesselmodell" angeordnet. Die Schaumstoff-Kissen sind mit einer Lage eines flachgewebten Stoffes 220 g/qm aus 100% flammwidriger Polyesterfaser bezogen.
Auf das "Sitzteil", und zwar in Kontakt mit dem "Rückenteil" wird das "crib 5", ein kaminförmiges Gebilde aus 20 Holzstäbchen 40 x 6,5 x 6,5 mm, 17+1 g Gewicht, aufgesetzt. Das Crib wird mittels 1,5 ccm Propanol gezündet und der Brandverlauf beobachtet.

Anforderungen:
1.) Offene Branderscheinungen - Flammen - müssen spätestens nach 10 Minuten erloschen sein.
2.) Versteckte Branderscheinungen - Glimmen/Rauchentwicklung - müssen spätestens 60 Minuten nach Zündung beendet sein.
3.) Der Gewichtsverlust des gesamtes Modells inclusive crib darf nach Beendigung des Versuches nicht mehr als 60 g betragen.
Bei der beschriebenen Prüfung handelt es sich um eine Werkstoff-Prüfung des als Polsterfüllung vorgesehenen PU-Schaumstoffes, die es erlaubt zu entscheiden, ob der Einbau des Schaumes in das Polstermöbel zulässig ist.
Die Materialkombination im Möbelstück selbst unterliegt als Verbund verschiedener Bezugs- und Füllmaterialien der Einstufung und Zulassung nach dem oben angedeuteten Bewertungssystem nach Auswertung des Brandverhaltens bei Einsatz unterschiedlicher Zündquellen.
In Deutschland gibt es entsprechende Anforderungen bis heute nicht. Vergleichbare Prüfnormen sind die DIN 53341 und 54 342/1/2.   

California-Test T.I.B 117

Der US-State of California Department of consumer affairs - Bureau of home furnishings - hat 1980 in dem "Flammability package" Regeln für die Prüfung und Kennzeichnung bezüglich Entflammbarkeit von Matratzen und Polstermöbeln sowie der dazu verarbeiteten Vormaterialien aufgestellt.
Darin sind im "Technical information bulletin 177 section A part 1" - kurz TIB 117 - Prüfmethode und Anforferungen an das Brandverhalten geeigneter Schaumstoffe beschrieben
Probekörper :
10 Proben 305 x 76 x 12,7 mm. 5 Proben werden 24 h bei 104°C gealtert.
Probeanordnung: Die Proben hängen im Test vertikal in einem Rahmen, mit dem unteren Ende 20 mm über dem Ende des Brenner-Rohrs.
Zündquelle: Bunsenbrenner 10 mm Æ, Flammhöhe 40 mm.
Beflammungsdauer : 12 Sekunden
Anforderungen:
1.) Mittlere Länge der verkohlten Zone aller Proben max. 152 mm, bei einer Probe 203 mm
2.) Mittlere Nachbrennzeit - einschließlich abgetropfter Teile - aller Proben max. 5 sek., max. bei einer Probe 10 Sek.
3.) Mittlere Nachglimmzeit - einschließlich abgetropfter Teile - max. 15 Sek.

Diese Prüfung entspricht weitgehend der FAR part 25b - Innenausstattung von Flugzeugen.
Ähnliche Anforderungen werden gestellt in DIN 4102 B2 (Deutschland) und in SIA 183/2 Brandklasse (Schweiz).

DIN 4102 / DIN EN 1350-1 bzw. 13501-1

Diese deutsche Norm wird hauptsächlich zur Beurteilung des Brandverhaltens von Baustoffen herangezogen. Danach wird unterteilt in nicht brennbare (Klasse A1 und A2) und brennbare (B1, B2, B3) Materialien.
Schaumstoffe fallen fast ausnahmslos unter die Klasse B3, " leicht entflammbar" nach DIN 4102. Diese Materialien bestehen den sogenannten Kleinbrennertest nicht, bei dem ein vertikal aufgehängter Probekörper ( 230 x 90 mm ) mit kleiner Flamme 4 cm oberhalb der Probenunterkante 15 sek. beflammt wird. Nach Entfernen der Zündquelle werden Brenndauer, Flammenhöhe und Zerstörungsgrad der Oberfläche gemessen.
Bei einem Material, das den Test besteht und in die Klasse B2 "normal entflammbar" nach DIN 4102 eingestuft wird, darf die Flamme die Markierungslinie im Abstand von 190 mm von der Probeunterkante innerhalb von 20 sek. nach Entfernen der Zündquelle nicht erreichen.
Die Brandklasse B1 "schwer entflammbar" nach DIN 4102 wird nur von Materialien erreicht, die den Brandschachttest bestehen. 4 Probekörper (1000 x 190 mm) werden so angeordnet, daß sie einen Kamin bilden. Sie werden über einen Ringbrenner gehängt und während 10 min. beflammt. Das Material besteht den Test, wenn mindestens 150 mm der Probekörper ( von der Oberkante aus gemessen) unzerstört bleiben, die Flammen die Probenoberkante nicht überschlagen und die Abgastemperatur unterhalb 250°C bleibt.

EN 1021 - 1/2 : 1994 für DIN 66084/DIN54341

Diese Norm gilt in der gesamten EU und untersucht die Reaktion eines Stoffes auf eine brennende Zigarette und eine Butanflamme (ein simuliertes Streichholz). Sie ersetzt eine Vielzahl nationaler Tests, einschließlich DIN 54342 - 1/2 in Deutschland und BS 5852: 1990 in Großbritannien.

Testmethoden
Ein Standard-Testmodell aus Stoff und Schaumstoff mit der Rückwand im rechten Winkel zum Boden simuliert einen Sessel. Die Zündquelle befindet sich während des Tests in diesem rechten Winkel und daher in ständigem Kontakt zu Lehne und Sitz. Vor dem Test wird das Modell mit Wasser getränkt.
EN 1021 - Teil 1 (für Klassifizierung nach DIN 66084 P-c)
In Teil 1 des Tests wird eine brennende Zigarette in den Winkel des Testmodells gelegt und verglimmt in ihrer ganzen Länge. Nach 60 Minuten sollte der Stoff nicht glimmen oder brennen.

EN 1021 - Teil 2 (für Klassifizierung nach DIN 66084 P-b)
Eine 35 mm hohe Butanflamme repräsentiert hier ein brennendes Streichholz und wird 15 Sekunden lang ebenfalls in den Winkel zwischen Lehne und Sitz des Testmodells gelegt. Nachdem die Flamme entfernt wurde, sollte innerhalb von 2 Minuten der Stoff nicht anfangen zu brennen.

DIN 54341 (für Klassifierzung nach DIN 66084 P-a)

Die Klasse P-a umfasst Polsterverbunde, bei denen dei jeder Einzelprüfung die Anforderungen nach DIN 54341 erfüllt werden. Beim Abbrand eines Papierkissens mit 100 gr auf dem Prüfkörper müssen die Flammen spätestens nach 15 Minuten selbst verlöschen. Dabei darf die Flammhöhe maximal 45 cm über der Rückenlehne sein und die Seitenränder nach dem Abbrand dürfen nicht erreicht werden.

 

FAR 25.853 (b)

Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine amerikanische Testmethode, die in der Flugzeugindustrie verwendet wird.
Bei diesem Test wird die Entzündlichkeit, die Flammenausbreitung und das Abtropfverhalten gemessen. Entsprechend dem Anwendungszweck wird das Verhalten des Schaumstoffes bei 12 sek. (Klassifikation a) und bei 60 sek. (Klassifikation b) Beflammung gemessen.

DIN 75200 (+ISO 3795)

Diese deutsche Norm dient dazu, die Brenngeschwindigkeit von Werkstoffen, die im Insassenraum in Kraftfahrzeugen verwendet werden.
In einem Brennkasten wird ein waagerecht angeordneter, in einem U-förmigen Halterahmen eingespannter Probekörper (138 x 80 mm) der Einwirkung eines Brenners mit mäßiger Flammbeanspruchung über 15 Sekunden ausgesetzt. Es wird festgestellt, ob und wann die Flamme erlischt oder in welcher Zeit die Flammenfront eine zwischen zwei Meßmarken liegende Brennstrecke durchläuft.
Wegen der internationalen Verbreitung der Kraftfahrzeuge ist ein international einheitliches Prüfverfahren notwendig. Auf der Grundlage der DIN 75200 wurde die internationale Norm ISO 3795 erarbeitet. Diese Norm entspricht im wesentlichen der DIN 75200.

ASTM D 1692-68

Diese Testmethode wurde in den USA ursprünglich für die Bauindustrie entwickelt. Mittlerweile wird der Test auch in der Automobil- und in der Transportindustrie zur Beurteilung des Brandverhaltens herangezogen.
Testausführung:
Hier wird ebenfalls ein horizontal auf einem Drahtgeflecht liegender Probekörper (15 x 5 x 1,27 cm) an einem Ende entzündet. Nach Wegnahme der Zündquelle (Bunsenbrenner) werden die Zeit und Brennstrecke bis zum Erlöschen der Flamme gemessen.
Wenn die Flamme vor Erreichen der Meßmarke bei 12.5 cm erlischt, erhält der Schaum die Klassifizierung ?selbsterlöschend nach ASTM D 1692-68?.

UL 94 HF 1

Die Underwriters Laboraties Inc. befassen sich mit sicherheitstechnischen Prüfungen zum Schutz von Menschen und Sachwerten. Für die feuersicherheitliche Prüfung für Kunststoffe, insbesondere Schaumstoffe, wurde die Vorschrift UL 94 entwickelt. Wesentlich ist hierbei die Stufe HF 1, bei der folgende Prüfkriterien erfüllt sein müssen.
Probekörper: 2x5 Proben 152 x 50,8 x 12,7 mm mit Meßmarken in 25,4, 57 und 127 mm Abstand vom Probenende. 5 Proben 168 h bei 70°C gelagert.
Probeanordnung: Probe liegt horizontal auf einem Drahtnetz definierter Maschenweite, darunter eine horizontale Wattelage 305 mm unterhalb der Probe.
Zündquelle: Bunsenbrenner mit aufgesetzter Düse zur Bildung einer 47 mm breiten Flamme, Höhe der nicht leuchtenden Flamme 38 mm
Beflammungsdauer: 60 Sekunden
Ergebnisse:
Kein Nachbrennen länger als 2 Sekunden nach Beflammungsende bei mindestens 4 von 5 Proben
Bei keiner Probe Nachbrennen länger als 10 Sekunden nach Beflammungsende.
Keine Zerstörung einer Probe über die 57 mm-Marke hinaus
Kein Nachglühen einer Probe länger als 30 Sekunden nach Beflammungsende oder über die 57 mm-Marke hinaus.
Kein brennendes Abtropfen    

EG 95/28

Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger: Brennverhalten von Werkstoffen der Innenausstattung von Kraftomnibusse
1) ZIEL
Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über das Brennverhalten von Werkstoffen der Innenausstattung von Kraftomnibussen.
2) GEMEINSCHAFTSMASSNAHME
Richtlinie 95/28/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 24. Oktober 1995 über das Brennverhalten von Werkstoffen der Innenausstattung bestimmter Kraftfahrzeugklassen.
3) INHALT
1. Diese Richtlinie trägt zur Anwendung des Verfahrens für die EG-Betriebserlaubnis gemäß der Richtlinie 70/156/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Betriebserlaubnis für Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeuganhänger bei. Die Bestimmungen der Richtlinie 70/156/EWG über Systeme, Bauteile und selbständige technische Einheiten von Kraftfahrzeugen gelten also auch für die Zwecke der Richtlinie 95/28/EG.
2. Die Richtlinie betrifft das Brennverhalten (Entflammbarkeit, Brenngeschwindigkeit und Schmelzverhalten) von Werkstoffen, die für die Innenausstattung von Kraftomnibussen der Klasse M3 zur Beförderung von mehr als 22 Fahrgästen verwendet werden.
3. Vom Anwendungsbereich der Richtlinie ausgenommen sind Kraftomnibusse zur Beförderung stehender Fahrgäste oder für den Stadtverkehr.
4. Die Mitgliedstaaten können die EG-Betriebserlaubnis, die Betriebserlaubnis mit nationaler Geltung, den Verkauf, die Zulassung, die Inbetriebnahme oder die Benutzung eines Fahrzeugs/Bauteils, das den in dieser Richtlinie festgelegten Bedingungen entspricht, weder verweigern noch verbieten.
4) FRIST FÜR DEN ERLASS EINZELSTAATLICHER UMSETZUNGSVORSCHRIFTEN
24.04.1997 (Annahme und Veröffentlichung)
24.10.1999 (Anwendung)
5) ZEITPUNKT DES INKRAFTTRETENS (falls abweichend von 4)
13.12.1995
6) QUELLEN
Amtsblatt L 281 vom 23.11.1995
7) WEITERE ARBEITEN
8) DURCHFÜHRUNGSMASSNAHMEN DER KOMMISSION

 

BKZ (Schweizer Brandkennziffer)

Aufgrund der Brennbarkeit werden die Baustoffe in die Brennbarkeitsklasse 3-6 eingeteilt. Für das Brennverhalten sidn insbesondere Zündbarkeit und Abbrandgeschwindigkeit massgebend. Materialien der Brennbarkeitsgrade 1+2 sind als Baustoffe nicht zugelassen.

Brennbarkeitsgrad:

3 (leichtbrennbar)

4 (mittelbrennbar)

5 (schwerbrennbar)

5 (schwerbrennbar bei 200°C)

6q (quasi nicht brennbar)

6 (nicht brennbar)

Qualmbildung:

Der Qualmgrad wird durch Messung der Lichtabsorption beim Abbrand des Prüfkörpers bestimmt. Die Qualmgrade 1-3 kennzeichnen das folgende Qualmverhalten.

1 ( starke Qualmbildung)

2 (mittlere Qualmbildung)

3 (schwache Qualmbildung)

Brandkennziffer:

Die Brandkennziffer (BKZ) gibt Auskunft über die Klassifzierung eines Baustoffes, sie setzt sich aus Brennbarkeitsgrad und Qualmgrad zusammen.


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